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09.05.2012 16:00 Alter: 8 yrs
Von: SWICO Recycling und Angela Cadruvi

Die Unterschiede sind fein wie Gewürze

Gewürzmetalle! Diesen Begriff hat Professor Armin Reller geprägt. Um spezifische Metalle zu bezeichnen, die in kleinsten Mengen eingesetzt werden – ohne die das Gerät bzw. die Technologie jedoch nicht funktioniert. Wir haben mit dem Ressourcenstrategen gesprochen.


In den meisten elektronischen Geräten wie Computern, Laptops, Digitalkameras, Audiogeräten, Handys – aber auch in elektronischen Steuerungen – stecken Edel- und Gewürzmetalle. Indium ist der Prototyp der Gewürzmetalle. Und dieses Metall interessiert Armin Reller ganz besonders. Indium ist ein weiches Metall mit einem niedrigen Schmelzpunkt, das vor allem in einer transparenten, aber leitfähigen Indium-Zinn-Oxid- Verbindung eine strategische Rolle spielt. Darüber hinaus wird es in CIS-Fotovoltaik-Zellen (CIS = Kupfer-Indium-Selenid) sowie in Halbleitern genutzt. Vor diesen Anwendungen war es als wenig spektakuläres, geradezu langweiliges Metall recht unbekannt. Indium steckt in Geräten mit LCD-Displays in einer transparenten, sehr dünnen Schicht. Armin Reller erklärt, warum dieses Metall so begehrt ist: «Im Indium-Zinn-Oxid ist es als entscheidendes Metall für die elektrische Leitfähigkeit notwendig und kaum ersetzbar. Es gibt Laborsubstitute, die aber noch nicht konkurrenzfähig sind.» Genuine Indium-Minen gebe es nicht; das Metall werde als Koppelprodukt von Basismetallen wie Zink oder Aluminium gewonnen. Hauptvorkommen und Hauptproduktion von Indium liegen in China – mit 50 Prozent der Jahresproduktion.

Rückgewinnen ja, aber wie?

Indium kommt als Gewürzmetall in sehr geringen Mengen vor. Gemäss Armin Reller ist es technisch möglich, aber sehr aufwendig, diese kleinen Mengen zu isolieren. Der SWICO wollte wissen, wo die Forschung steht. «Die Rückgewinnung wird zurzeit in Studien und Forschungs- bzw. Pilotprojekten untersucht. Wann eine grossräumige Rückführung implementiert werden wird, ist von der Technologieentwicklung, der Verfügbarkeit und dem Einsatz eventueller Substitute abhängig.» Indium sollte aber gemäss Professor Reller aufgrund der Preisentwicklung, der Verfügbarkeit bzw. Abhängigkeit und des Bedarfs für innovative Zukunftstechnologien zurückgewonnen werden: «Der Preis von Indium ist volatil und kann durchaus in den Bereich der relativ günstigen Edelmetalle vorstossen.»

Ist die Schweiz ein Vorbild?

Die Rückgewinnung ist gemäss Armin Reller ein Muss für die Metallnutzung der Zukunft: «In der Schweiz werden Basismetalle wie Eisen, Kupfer oder Aluminium mit hoher Effizienz zurückgewonnen. Dabei steht die Wirtschaftlichkeit der Sekundärnutzung ständig in Konkurrenz zur Primärproduktion in oft billig produzierenden Ländern.» Trotzdem: Metallkreislaufwirtschaft sei erstrebenswert und essenziell für Industrieregionen mit hoher Rohstoffabhängigkeit. Hinzu komme die Konsumspitzenstellung der Schweiz in Europa. Die Schweiz ist gemäss Reller bestens ausgestattet mit Geräten, in denen die ganze Palette der heute technologisch genutzten Funktionsmetalle steckt. Das sei direkt an den Lebensstil bzw. den Lebensstandard gekoppelt.