Interview

Im Praxisseminar «Finanzierung der Siedlungsabfallwirtschaft» unterrichtest du zur neuen Vollzugshilfe für die verursachergerechte Finanzierung der Siedlungsabfallentsorgung.
Kannst du uns einen kleinen Einblick geben?
Die veränderten Pflichten, die es bei der Siedlungsabfallentsorgung gemäss den neuen Rahmenbedingungen der Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen (VVEA) zu erfüllen gibt, stellen Gemeinden vor erweiterte Herausforderungen im Vollzug, weil das Entsorgungsmonopol der öffentlichen Hand stärker liberalisiert (oder teilliberalisiert) wurde.
Das Praxisseminar beleuchtet  grundlegend und zusammenfassend die zentralen Aufgaben der Gemeinden bei der Siedlungsabfallentsorgung, mit einem speziellen Fokus auf (1) die  Neuerungen in der nationalen Abfallverordnung (VVEA), (2) die neue Vollzugshilfe des Bundes zur Siedlungsabfallentsorgung sowie einer detaillierteren Auslegeordnung zur finanziellen Führung der der kommunalen Abfallwirtschaft und der Ausgestaltung von Gebühren.   
Der Umgang mit der Neudefinition der Siedlungsabfälle wird beleuchtet und die damit entstandenen Herausforderungen und Stolpersteinen für Gemeinden. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Bestimmung, dass u.a. Unternehmen mit 250 oder mehr Vollzeitstellen-Äquivalenten keine Siedlungsabfälle mehr haben, weil damit Schwierigkeiten im Vollzug und der Organisation der kommunalen Siedlungsabfallwirtschaft verbunden sind und sich buchhalterische Konsequenzen für die Abfallrechnung daraus ergeben können.

Was bringt das Praxisseminar den Teilnehmenden?
Besonders wertvoll ist die Mischung aus theoretischem Basiswissen, praktischen Übungen, Illustrationen an konkreten Beispielen und Diskussionsmöglichkeiten (Raum für Fragen) im Plenum. Neben meinen Inputs zur Theorie und den gesetzlichen Grundlagen, festigt Brigitte Fischer mit den Teilnehmenden diese Basis mit praktischen Übungen zur finanziellen Führung. Dabei wird insbesondere Wert daraufgelegt, dass die Teilnehmenden mit eigenen Zahlen aus der Gemeinde arbeiten können. Die Teilnehmenden sind so in der Lage das Gelernte direkt auf ihre Gemeinde auszulegen.

Was schätzt du besonders am Kurs?
Das Praxisseminar vermittelt eine gute Mischung von Theorie, praktischen Übungen und Erfahrungen (Beispiele) aus der Praxis kompakt an einem Tag – das ist eine abgerundete Sache. Der direkte und unmittelbar mögliche Austausch (Rückfragen, Diskussionen) zwischen den Teilnehmenden und den Referenten/-innen ist ein weiterer Pluspunkt. Auch die jahrelange Erfahrung von Brigitte Fischer mit der Umsetzung der finanziellen Führung der Siedlungsabfallwirtschaft in Gemeinden ist sehr wertvoll.

Vielen Dank für das Gespräch, Simon Schwarzenbach!

Zur Person

Simon Schwarzenbach (MSc ETH Umwelt-Natw.) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Umweltamt des Kanton Zürichs (AWEL) und dort in der Abteilung Abfallwirtschaft und Betriebe u.a. zuständig für die Siedlungsabfälle und die Gemeindeberatung. Zudem ist er Gemeinderat in der Gemeinde Trin (GR), für die Bereiche Umwelt, Raumordnung und öffentliche Sicherheit.

www.awel.zh.ch  

Stephan Textor, du bist Experte in der Entsorgungslogistik und der kommunalen Infrastruktur. Mit welchen Themen beschäftigst du dich am meisten?

Als technischer Berater arbeite ich an diversen Projekten zur Strategie, Analyse und Prozessoptimierung von Infrastrukturbetrieben. Submissionen/Ausschreibungen sowie auch die Abfalllogistik und die Optimierung der Sammlung sind ein Dauerthema. Auch die Kooperationen der Gemeinden im Bereich Logistik sind ein Thema. Reglemente und Gebühren werden ebenfalls in Projekten aufgegriffen.

Im Diplomkurs Leitung Abfall und Recycling unterrichtest du das Modul Prozesse und Kennzahlen zusammen mit Ueli Maass. Kannst du uns einen kleinen Einblick geben?

Kennzahlen erlauben Vergleiche zu ziehen und allfällige Optimierungen anzustossen. Um das System Abfallwirtschaft zu überblicken benötigt man mehrere Kennzahlen, insbesondere zu Mengen, Kosten und Leistung. Sie sind in der Schärfe aber relativ schwierig zu erfassen. Der Betriebsabrechnungsbogen, mit dem wir im Diplomkurs arbeiten, stellt dabei die beste Möglichkeit dar, die Kennzahlen zu erfassen. Es bedarf spezifischer Zahlen (z.B. kg/Einwohner oder CHF/t) und diese müssen sauber erfasst werden, sodass ein Vergleich gezogen werden kann. Diese Vergleichbarkeit der Daten ist nicht immer einfach, aber zentral für die Bemessung der Leistung.

Ueli Maass und ich versuchen im Modul zuerst die Theorie aufzuzeigen und dann mit zahlreichen Übungen diese zu festigen, sodass die Teilnehmenden in der Praxis damit arbeiten können. Im Kurs gehen wir mit unterschiedlichen Übungen für Private und Gemeinden auf die diversen Anspruchsgruppen ein und übermitteln das, was auch praxistauglich ist. Die Teilnehmenden sind ausserdem aufgefordert immer wieder festzuhalten, was sie von dem Gelernten mitnehmen sollen.

Für die Art und Weise, wie wir referieren, erhalten wir immer wieder gutes Feedback. Ich schätze das Co-Teaching mit Ueli sehr, wir ergänzen uns wunderbar. Es ist ein lebendiger Unterricht und wir bringen unsere Erfahrungen aus der Praxis mit vielen Beispielen ein, das erhöht die Glaubwürdigkeit.

Was schätzt du besonders am Unterrichten und am Kurs?

Der Diplomkurs lebt von der Interaktion zwischen den Referenten und den Teilnehmenden, sowie auch den Teilnehmenden untereinander, der Praxisnähe und den Übungen. Die Teilnehmenden werden im Kurs zu einem Team und schätzen den Austausch untereinander sehr. Das ist ein Qualitätsmerkmal des Diplomkurses.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Stephan Textor!

Zur Person

Stephan Textor (dipl. Ing. ETH/SIA) ist seit 1989 in den Bereichen Engineering und Consulting in der Umwelt- und Entsorgungstechnik tätig. Mit Textor Engineering AG und der Kommunal Partner AG unterstützt, berät und begleitet er Projekte zur Entsorgungslogistik, der kommunale Infrastruktur (Werkhöfe), des Deponiebaus, Abbau- und Auffüllplanung, Rekultivierung sowie der Altlastensondierung.

www.textor-engineering.ch; www.kommunalpartner.ch