EU-Strategie Kunststoffe

Welche Relevanz hat die EU-Strategie für die Diskussionen rund um die Kunststoff-Entsorgung in der Schweiz?

Die EU-Kommission hat im Januar 2018 eine Strategie für Kunststoffe mit Zeithorizont 2030 veröffentlicht. Hintergrund dazu sind marine litter, microplastics und auch das Importverbot von China für Plastik-Abfälle. Die Strategie beinhaltet sehr ambitionierte Absichtserklärungen und Ziele.

Durch eine verbesserte Kooperation über die ganze Wertschöpfungskette sollen bis 2030 alle Plastik-Verpackungen rezyklierfähig gemacht sowie eine hohe Sammelquote und eine Recyclingquote über 50% erreicht werden. Die Produzenten und Inverkehrbringer sind aufgerufen, im Sinne der «Erweiterten Produzenten-Verantwortung» die Herausforderungen aktiv anzugehen, indem zum Beispiel das Design for Recycling der Verpackungen über finanzielle oder kommunikative Anreize verbessert wird.

Die Strategie kann als Weckruf an die Industrie verstanden werden: Es ist allerhöchste Zeit, freiwillig zu handeln und Verpackungen rezyklierfähig zu machen sowie durch das erhöhte Recycling Arbeitsplätze in Europa zu schaffen.

Die Schweiz kennt seit dem Jahr 2000 ein Deponieverbot für unbehandelte Siedlungsabfälle. In der EU wird es voraussichtlich auch im Jahr 2030 noch Deponien für unbehandelte Abfälle geben. Diese Deponien sind wegen Abfluss ins Wasser eine wesentliche Ursache für marine litter und microplastics. Bei uns werden Siedlungsabfälle somit seit bald 20 Jahren entweder stofflich oder thermisch verwertet und gelangen nicht unkontrolliert in die Umwelt. Nicht rezyklierbare Kunststoffe werden in den KVA energetisch verwertet.

Die Schweiz kennt seit Jahrzehnten das bewährte System der selektiven Separatsammlung. Es werden nur Wertstoffe separat gesammelt, welche sich mit hoher Ausbeute stofflich verwerten lassen und welche eine Rezyklat-Nachfrage haben und somit eine hohe Öko-Effizienz gewähren. Sollte sich die Rezyklierfähigkeit der Kunststoffe, insbesondere der Verpackungen, in den nächsten Jahren wesentlich verbessern und eine breite Nachfrage nach Rezyklat ermöglichen, sollte die Situation für die Schweiz neu beurteilt werden.